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04.12.2023

Landrätin zeichnet Ehrenamtliche zum Bürgerabend aus

"Ehrenamt ist der Kitt der Gesellschaft - er verbindet und hält zusammen. Menschen, die sich im Ehrenamt engagieren und unzählige Stunden ihrer Freizeit investieren, sind der lebende Beweis dafür, dass gemeinschaftliches Handeln weit über unseren persönlichen Nutzen hinausgeht", betonte Landrätin Petra Enders zum Bürgerabend am 1. Dezember 2023 und bedankte sich herzlich für das Engagement aller Menschen, die im Ilm-Kreis ehrenamtlich aktiv sind.

Acht Bürgerinnen und Bürger wurden für ihr besonders Engagement ausgezeichnet: Andreas Beck – Traditionsverein Plaue e. V., Ehrhard Freitag – Partnerschaftsverein Gräfenroda-Vouziers e. V., Corinne Krah – Riechheimer Kultur- und Freizeitverein e. V., Hannelore Nastoll – Engagement für soziale Projekte, Flüchtlingsnetzwerk Ilmenau, Helmut Schiel – Förderverein für die Kirche Alkersleben e. V. – Feuerwehr, Michael Möller – Jazzclub Ilmenau e. V., Wolfgang Nüchter – Wander- und Freizeitverein Arnstadt e. V., Prof. Dr. Ing. habil. Helmut Wurmus – Heimatgeschichtsverein Gehren e. V. Sie erhielten die Ehrenamtscard der Thüringer Ehrenamtsstiftung. Mit einem Sonderpreis, dotiert mit 200 Euro, wurde Erich Peukert für sein Lebenswerk für die Landseniorenvereinigung Ilm-Kreis e. V. geehrt. Der Preis für herausragende Seniorenarbeit, dotiert mit 250 Euro, ging in diesem Jahr an die Seniorenbegegnungsstätte in Stadtilm. "Mein herzlicher Dank gilt aber auch den Tänzerinnen des Haarhäuser Carneval Verein e.V. für ihren sehr guten Auftritt", betonte Landrätin Petra Enders zum Bürgerabend.

Preisträger Ehrenamtscard 2023:

Andreas Beck – Traditionsverein Plaue e. V.

Von Jugend an ist Andreas Beck eng mit Plaue verbunden. Über sich spricht der 64-Jährige nicht so gern, dafür hat er viel über Plaue, die Porzelliner und den Traditionsverein Plaue e. V. zu erzählen. 45 Mitglieder zählt der Verein, der 1998 gegründet wurde. Klar, dass Andreas Beck von Anfang an dabei war. Viele Veranstaltungen hat er im Laufe der Jahre organisiert. 2015 rief er den Ausdauer- und Genusslauf ins Leben. Einen Wettstreit mit Strecken für jedermann: Kinder, gut Trainierte und alle, die sich ausprobieren möchten. Das kommt gut an. Stolz ist er auf die alte Postkartensammlung, die historische Ansichten von Plaue zeigt. Auch an der Übertragung alter Tagebücher der Porzelliner-Familie Schierholz in die Moderne hat er großen Anteil, schreibt Texte für Publikationen des Vereins und brachte sich intensiv bei der Gestaltung des Geschichtswanderwegs, der über 4 Kilometer zu historischen Plätzen Plaues führt, ein. Der stellvertretende Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutzes im Ilm-Kreis ist seit seiner Jugend in der Feuerwehr Plaue aktiv. Heute leitet er die Geschicke als Ortsbrandmeister. Wie es scheint, hat der Tag für Andreas Beck mehr als 24 Stunden, denn er pflegt auch die Gruft der Familie Schierholz und verschiedene Ehrenmäler in Plaue, hat den Vollrathsgarten angelegt, der im nächsten Jahr noch schöner gestaltet werden soll.

Ehrhard Freitag – Partnerschaftsverein Gräfenroda-Vouziers e. V.

Ehrhard Freitag ist eng mit Gräfenroda verbunden. Der 73-Jährige, der lange Jahre in der Fernmeldetechnik arbeitete, ist schon seit 45 Jahren ehrenamtlich aktiv. Über 30 Jahre engagierte er sich in der SPD, er arbeitete im Gemeinderat mit und ist immer dabei, wenn es etwas zu tun gibt, angefangen vom Frühjahrsputz bis hin zur Pflege von Wanderwegen. Viele Jahre führte er den Fußballsportverein Gräfenroda. Auch mit der Geschichte seines Wohnortes kennt er sich bestens aus. Besonders viel hat Ehrhard Freitag über Hermann Brill herausgefunden, in dessen Geburtshaus er heute wohnt. Intensiv recherchierte er zu den Meilensteinen im Leben des 1. Thüringer Regierungspräsidenten und erarbeitete gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung zu Brills 125. Geburtstag eine Ausstellung zu seinem Lebenswerk. Seit 2011 leitet Ehrhard Freitag den Verein Partnerschaft Gräfenroda-Vouziers e. V. Seit 1972 gibt es die Partnerschaft zwischen Gräfenroda und der französischen Partnergemeinde aus der Nähe von Verdun. Viel Zeit und Kraft investiert er in die Partnerschaft, organisiert Besuche, dokumentiert den Austausch und steckte viele Stunden seiner Freizeit in das große 50. Vereinsjubiläum, das 2022 in Frankreich stattfand.

Corinne Krah – Riechheimer Kultur- und Freizeitverein e. V.

Riechheim ist ein sehr lebendiges Dorf mit vielen Veranstaltungen, angefangen vom Sommerfest über das Kartoffelfeuer und kleine Konzerte bis hin zur beliebten Musik im Advent. Corinna Krah hat daran einen entscheidenden Anteil und ist stolz auf die aktive Dorfgemeinschaft. „Gemeinsam haben wir über die letzten Jahre sehr viel bewegt“, sagt die 60-jährige Betriebswirtschaftlerin und verweist auf die vielen Besonderheiten des Ortes, beispielsweise einen Bücherbaum. Hier findet ein reger Austausch an Büchern statt. Seit 1996 wohnt Corinne Krah in Riechheim und engagiert sich ehrenamtlich. Ab 2004 arbeitete sie im Gemeinderat mit. Inzwischen ist sie als Bürgermeisterin für Elleben, Riechheim und Gügleben aktiv. Im Riechheimer Kultur- und Freizeitverein e. V., der um die 150 Mitglieder zählt, ist sie ebenfalls ganz vorn mit dabei. Seit der Gründung des Vereins als Kassenwartin, seit 8 Jahren auch im Vorstand. Sie unterstützt die Feuerwehr, hat 2014 eine Ersthelfergruppe ins Leben gerufen und tut alles dafür, die drei Orte voranzubringen. Für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger hat sie immer ein offenes Ohr und hilft gern. Mit Optimismus und Leidenschaft bringt sie sich für die aktive Dorfgemeinschaft ein, fördert Ideen und unterstützt, wo sie kann.

Hannelore Nastoll – Engagement für soziale Projekte, Flüchtlingsnetzwerk Ilmenau

Hannelore Nastoll engagierte sich schon in den 1980er-Jahren intensiv in der Friedensbewegung der DDR und war später viele Jahre im Stadtrat Ilmenau aktiv. Nach ihrem Studium der Germanistik und Anglistik arbeitete sie lange Zeit an verschiedenen Schulen in Ilmenau. Dabei setzte sie immer auf einen engen Kontakt zu Schülerinnen und Schülern. Die Vermittlung von Toleranz, Demokratie und Zivilcourage war ihr immer ein sehr wichtiges Anliegen, dem sie sich auch heute noch immer eng verbunden fühlt. „Man muss für seine Überzeugungen einstehen“, betont die 81-Jährige. Als Projektleiterin Netzwerk Zivilcourage setzte sie auf einen intensiven Austausch mit den Schulen des Ilm-Kreises und initiierte immer wieder Projekte, z. B. die „Schülerkunst für Zivilcourage“. Auch bei der Initiative zur Schaffung von Stolpersteinen für jüdische Bürgerinnen und Bürger, die vom Naziregime ermordet wurden, war sie ganz vorn mit dabei. Hannelore Nastoll ist kulturell und politisch vielseitig interessiert und hat immer ein offenes Ohr. Sie hilft immer wieder gern, wenn Unterstützung benötigt wird. Intensiv widmete sie sich dem Deutsch-Unterricht für Kinder aus anderen Ländern und half ihnen bei der Integration im Alltag.

Helmut Schiel – Förderverein für die Kirche Alkersleben e. V. – Feuerwehr

Helmut Schiel ist ein Alkerslebener Urgestein - durch und durch. Besonders am Herzen liegt ihm die Kirche des kleinen Dorfes, die im Inneren mit besonderen Ausmalungen überrascht. Hier wurde der heute 70-Jährige getauft, konfirmiert, hier hat er geheiratet. Hier hat er sich für die Gründung des Fördervereins für die Kirche eingesetzt, deren Ursprünge bis in 12. Jahrhundert zurückgehen. Das war 1997. Seitdem hat der Verein, der 21 Mitglieder hat, viel erreicht. Die Sanierung der Orgel, die im Jahr 2024 200 Jahre alt wird, die Sanierung des Glockenturms, die statische Sicherung der Kirche, die Sanierung des Westgiebels, die Restaurierung der Bilder an der 1. Empore und der 300 Jahre alten Kanzel, um nur einige zu nennen. Doch noch immer ist viel ist zu tun, die Sanierung des 320 Jahre alten Altars ist geplant, ebenso wie ein Lichtkonzept und die Restaurierung der Malereien im Kirchenschiff, von denen einige noch unter altem Putz verborgen sind, erzählt der Betriebswirt. In der Feuerwehr Alkersleben engagierte er sich lange Zeit als Vorsitzender. Seit 10 Jahren leitet er die Alters- und Ehrenabteilung der Kameraden für den ganzen Ilm-Kreis, plant Ausflüge, Veranstaltungen und hält engen Kontakt zu den alten Mitgliedern.

Michael Möller – Jazzclub Ilmenau e. V.

Jazz ist sein Leben. Schon mit 16 zog Michael Möller durch die Clubs. Doch nur Musik hören, das war für ihn nichts. So engagierte sich der gelernte Krankenpfleger bereits seit 1985 in der Arbeitsgemeinschaft Jazz in Ilmenau und gehörte zu den Gründungsmitgliedern, als 1992 der Jazzclub Ilmenau e. V. aus der Taufe gehoben wurde. Seitdem hat der Vereinsvorsitzende und Künstlerische Leiter des Vereins unzählige Stunden seiner Freizeit investiert, um hochkaratige Konzerte, Lesungen und Ausstellungen zu organisieren. Wie viel Zeit und Kraft allein in der Organisation der „Jazztage Ilmenau“ steckt, die jedes Jahr im April stattfinden, kann man als Außenstehender gar nicht erfassen. „Das schafft man nicht allein“, sagt er bescheiden und verweist auf seine Getreuen. 10 Mitglieder hat der Verein, der in Ilmenau schon unzählige kulturelle Highlights gesetzt hat. Dieses Jahr erhielten die Jazzfreunde bereits zum 4. Mal den „Applaus Award“ in der Kategorie „Beste kleine Spielstätten und Konzertreihen“. Aktuell läuft in der Uni-Bibliothek mit „Blues People – Images of the deep South“ eine hochkarätige Ausstellung Axel Küstners, der südamerikanische Bluesgrößen fotografierte, deren Leben von Musik und Armut gezeichnet war.

Wolfgang Nüchter – Wander- und Freizeitverein Arnstadt e. V.

Wandern ist sein Leben. Das war immer so und wird immer so sein. Seit 1984 ist er als Wanderführer unterwegs, kennt unzählige Strecken, wunderbare Ausblicke und hat immer eine gute Geschichte parat. Mit viel Freude und Enthusiasmus engagiert sich Wolfgang Nüchter, der lange Jahre als Polizeibeamter im gehobenen Dienst tätig war, im Wander- und Freizeitverein Arnstadt e. V. 2016 wurde der Verein gegründet, der von Anfang an große Zugkraft in der ältesten Stadt Thüringens entwickelte und auch Kinder und Jugendliche für das Wandern begeisterte. Die Liebe zur Natur und Thüringer Landschaft aber begleitet den Arnstädter schon von Kindheit an. Mit seinem Vater erkundete er schon mit 6 Jahren die Wanderwege. Heute kennt er die touristischen Wege wie seine Westentasche. Rund 1000 Stunden leistet der 69-Jährige im Schnitt pro Jahr, der auch über outdooractive aktiv ist, viele Wege in Thüringen dokumentiert hat und sie regelmäßig begeht, um Störungen zu melden. Mindestens einmal monatlich organsiert er eine Wanderung, prüft die Strecken im Vorfeld und führt die Wanderfreunde zu den schönsten Orten. Rund 2000 Wanderkilometer macht Wolfgang Nüchter im Jahr, der auch als Schatzmeister im Verein tätig ist.

Prof. Dr. Ing. habil. Helmut Wurmus – Heimatgeschichtsverein Gehren e. V.

Lange Jahre arbeitete Prof. Dr. Helmut Wurmus an der Technischen Universität Ilmenau. Doch nicht nur die Wissenschaft fasziniert den inzwischen 83-Jährigen, der 1962 aus der Lausitz nach Gehren kam. Seit 1985 agiert er als Initiator und Vorstandsvorsitzender der Antennengemeinschaft Gehren, später brachte er sich engagiert im Stadtrat ein. Als 2006 der Heimatgeschichtsverein Gehren e. V. gegründet wurde, gehörte er zu den Mitstreitern der ersten Stunde. Von Beginn an engagierte er sich als Gründungsvorsitzender und setzte sich für den Aufbau des Heimatmuseums ein: Er organisierte die Finanzierung und technische Umsetzung des Nachbaus des fürstlichen Brunnens, der 1933 beim Schlossbrand zerstört wurde, und hat großen Anteil an der Rekonstruktion der Wallgrabenmauer, sodass sie Stück für Stück restauriert werden konnte. Auch bei der Transkription alter Gehrener Urkunden machte sich Prof. Wurmus einen Namen, teilweise reichen sie bis ins 17. Jahrhundert zurück. Noch heute gestaltet und layoutet er die Hefte zur Gehrener Heimatgeschichte und ist im erweiterten Vorstand tätig.

Sonderpreis der Landrätin für Herrn Erich Peukert

Mit dem Sonderpreis der Landrätin wurde zum Bürgerabend am 1. Dezember ein ganz besonderer Mensch geehrt. Erich Peuckert hat nicht nur vor wenigen Tagen seinen 100. Geburtstag gefeiert, er engagiert sich auch Zeit seines Lebens ehrenamtlich. Unter anderem hat er die Landseniorenvereinigung Ilm-Kreis e.V. 1996 mit aus der Taufe gehoben und ist seitdem Vorstandsmitglied. Über das Jahr wird in der Landseniorenvereinigung auf einen engen Kontakt mit den Vereinsmitgliedern gesetzt, angefangen vom traditionellen Sommerfest über die Weihnachtsfeier bis hin zur Organisation von Bildungsfahrten. Darüber hinaus werden viele Lehrgänge für die Senioren durchgeführt, beispielsweise zum sicheren Umgang mit Mobiltelefonen. Trotz seines hohen Alters ist Herr Peuckert immer noch ein sehr aktives Mitglied der Landseniorenvereinigung und bringt sich mit Herzblut und Leidenschaft ein. Er agiert u. a. als Pressereferent, begleitet jede Veranstaltung, dokumentiert sie bildlich und schreibt Berichte für die Medien und den Verein.  Herr Peuckert arbeitet derzeit auch an der Dokumentation der Landsenioren mit und engagiert sich bei der Erstellung eines Videos, das die Geschichte und Leistungen der Landseniorenvereinigung in den Mittelpunkt rückt.

Sonderpreis für herausragende Seniorenarbeit im Ilm-Kreis für die Seniorenbegegnungsstätte in Stadtilm

Erstmals wurde in diesem Jahr ein Sonderpreis für herausragende Seniorenarbeit im Ilm-Kreis vergeben. Der Sonderpreis ging in diesem Jahr an die Seniorenbegegnungsstätte Stadtilm. Sie ist ein wichtiger Treffpunkt für Menschen, die nicht mehr im Arbeitsleben stehen. Zweimal wöchentlich bietet das Team Seniorennachmittage mit immer wieder neuen interessanten Programmpunkten, z. B. Gedächtnistraining, Sport oder Spielen oder Workshops zur Herstellung von Seife, Creme oder Parfüm, an, die immer großen Anklang finden. Bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen herrscht ein reger Austausch. Jeder Nachmittag findet unter einem anderen Motto statt.Die Kindergärten der Stadt Stadtilm besuchen die Seniorinnen und Senioren zu ihren Geburtstagen. Im Gegenzug gehen die Seniorinnen und Senioren mit dem AWO-Team in die Kindergärten, um mit den Kindern Lieder zu singen und Sport zu treiben, was das Miteinander der Generationen fördert und eine besondere Würdigung verdient. Denn junge Menschen können sehr viel von den älteren lernen, aber auch umgekehrt gibt es viele wichtige Impulse. Ein Highlight ist in jedem Jahr das Sommerfest.Aber auch während der Corona-Zeit wurden die Seniorinnen und Senioren nicht vergessen. Es kamen regelmäßige Anrufe vom Team, Hilfsangebote wurden gemacht, kleine Blumensträuße vorbeigebracht.

Bild vergrößern: Preisträger Ehrenamtscard 2023
Die Preisträger von links: Ehrhard Freitag, Wolfgang Nüchter, Corinne Krah, Michael Möller, Hannelore Nastoll, Prof. Helmut Wurmus und Helmut Schiel.

V. i. S. d. P. Anke Roeder-Eckert, Büro Landrätin