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24.08.2022

20 Sozialarbeiter(innen) des Jugendamt des Ilm-Kreises im Einsatz für den Kinderschutz

Kinderschutz stellt hohe Anforderungen – Jugendämter brauchen Vertrauen

Gestern Abend haben ihr viele zugeschaut und emotional Anteil genommen: Katharina Bruckner alias Corinna Harfouch als Frau vom Jugendamt, die für den kleinen Joe und seine Mutter die Weichen für eine bessere Zukunft stellt. Katharina Bruckner steht für viele in dieser Gesellschaft. Bundesweit sind mehr als 17.000 Bezirkssozialarbeiter/-innen in den Allgemeinen Sozialen Diensten der Jugendämter beschäftigt – 20 davon im Ilm-Kreis.

Häufig redet man in der Öffentlichkeit nur dann über ihren Beruf, wenn es schlecht läuft, wenn Kinder trotz Hilfen zu Schaden kommen. Damit gerät aus dem Blick, welch vielfältige und oft erfolgreiche Unterstützung für Kinder, Jugendliche und Familien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Allgemeinen Sozialen Dienste leisten. Sie beraten Mütter, Väter und alle Personen mit Erziehungsfragen, sie organisieren alltagspraktische Hilfen und Entlastung für Familien, sie fördern Kinder in ihrer Entwicklung – oder sorgen im Zweifelsfall wie bei Joe zeitweilig auch für den notwendigen Schutz von Kindern. Das Spektrum an Problemen, auf die der Allgemeinen Sozialen Dienst tagtäglich Antworten sucht, ist dabei breit: ratlose Eltern, Familienkrisen, Schulprobleme, Gewalt, Alkohol- und Drogensucht.

„Wir wissen, dass Eltern in der Regel das Beste für ihre Kinder wollen. Nur manchmal ist der Alltag, die eigene Biografie so belastend, dass Erziehung alleine nicht gelingt. Häufig hilft es dann, jemanden an seiner Seite zu haben. Deshalb setzen wir auch bei Problemen in erster Linie daran, die Eltern in ihrer Erziehung zu stärken und zu unterstützen und mit ihnen gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wir sind ihre Partner in Erziehungsfragen“, erläutert Jens Jödicke, der das Jugendamt des Ilm-Kreises leitet.

Die Sozialen Dienste der Jugendämter haben die Aufgabe, Eltern und ihre Kinder dort zu unterstützen, wo Hilfe notwendig ist. Dies erfolgt vor allem durch beratende und unterstützende Hilfen bei der Erziehung, wie etwa in Form einer ambulanten Familienhilfe. Auf diese Hilfe sind zunehmend mehr Familien angewiesen, im letzten Jahr im Ilm-Kreis über 100 Familien. Auch in der Pandemie wurden diese Hilfen tendenziell eher fortgeführt als beendet. Insgesamt wurden im letzten Jahr fast 300 Hilfen durch das Jugendamt des Ilm-Kreises erbracht. Zusammen mit den „kleinen Hilfen“ und Beratungen, die der Allgemeine Soziale Dienst selbst durchführt wurden im Jahr 2021 ca. 750 Familien erreicht und weitere 774 einzelne Beratungen durchgeführt.

Wann aber ist Unterstützung und Hilfe in der Familie noch aussichtsreich? Und wann ist der Punkt erreicht, wo Sicherheit und Schutz des Kindes eine zumindest vorübergehende Trennung von den Eltern erfordern? Und welche Risiken wiederum bringt die Trennung von den Eltern für den weiteren Lebensweg des Kindes?

Einigkeit besteht darin, dass Kinder und Jugendliche des Schutzes durch die Gesellschaft bedürfen. Doch welcher Weg der richtige ist, diese Frage verlangt den Sozialarbeiterinnen und –arbeitern im Jugendamt im Einzelfall schwierige Abwägungsprozesse ab. Kinderschutz ist eben kein Kinderspiel!

„Wir versuchen uns immer ein möglichst umfassendes Bild zu machen und vielfältige Perspektiven einzunehmen. Alleine kann man eine solche Entscheidung oft gar nicht treffen, schließlich haben sie weitreichende Folgen für die Biografien der Kinder. Die umfassende Beratung jedes einzelnen Falls beim Kinderschutz bei der Einleitung einer ambulanten oder stationären Hilfe mit den Kollegen und Kolleginnen ist deshalb unverzichtbarer Bestandteil unserer täglichen Arbeit“, erläutert Jens Jödicke.

Auch im Ilm-Kreis müssen die Sozialarbeiter(innen) des Jugendamtes immer wieder prüfen, ob ein Kind gefährdet ist und ob akute Maßnahmen zum Schutz ergriffen werden müssen.

Was braucht der Allgemeine Soziale Dienst, um diese schwierige Arbeit so erfolgreich schultern zu können wie Katharina Bruckner? Jens Jödicke weiß aus vielen Jahren Erfahrung: „Wir brauchen genügend und gut qualifiziertes und motiviertes Personal, das durch Supervision, Beratung und Fortbildung in dieser schwierigen Aufgabe ausreichend unterstützt wird.
Und wir brauchen Bürgerinnen und Bürger, für die das Jugendamt nicht Drohkulisse, sondern unverzichtbarer Partner beim Kinderschutz ist. Wir möchten die Eltern ermutigen und bestärken, sich bei Fragen und Problemen auch im Jugendamt Hilfe zu suchen. Denn das ist oft schon der erste Schritt zur Lösung.“

V. i. S. d. P. Gunter Harsch, Büro Landrätin

Der Beratungsbedarf steigt: In rund 600 Jugendämter bieten Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter wie Katharina Bruckner im gestrigen ARD-Film Erziehungsberechtigten, Kindern und Jugendlichen kompetente Unterstützung in unterschiedlichen Lebensphasen