Berufsbildungsregion West bleibt auf Kurs
Gotha. Die Berufsbildungsregion West, Thüringens ältestes freiwilliges Berufsschulnetz über Kreisgrenzen hinweg, soll auch künftig fortbestehen. Darüber einigten sich kürzlich die Landrätin des Ilm-Kreises, Petra Enders, die Eisenacher Oberbürgermeisterin Katja Wolf sowie Wartburgkreis-Landrat Reinhard Krebs und Gothas Landrat Konrad Gießmann bei einem Arbeitstreffen in Gotha. Seit 2007 arbeiten der Ilm-Kreis, der Wartburgkreis, die kreisfreie Stadt Eisenach und der Landkreis Gotha eng zusammen bei der Harmonisierung der Berufsausbildung zwischen Bad Salzungen und Ilmenau. Die Ausgangsmotivation für die Gründung einer gemeinsamen Berufsbildungsregion waren damals die Prognosen dramatisch sinkender Schülerzahlen, die sich auch bewahrheitet haben. Von den 10.829 Azubi im Schuljahr 2007 / 08 sind im Schuljahr 2012 / 13 noch 6.642 übrig geblieben - im Gebiet der gesamten heutigen Berufsbildungsregion West. Fest stand: Aufgrund der halbierten Schülerzahlen wären in den einzelnen Regionen kaum noch gesetzlich geforderte Mindestklassenstärken erreicht worden; die Verlagerung von einzelnen Ausbildungsgängen in weit entfernte Regionen wäre die zwingende Folge gewesen. Die bisherigen Bestrebungen der drei Landkreise und der kreisfreien Stadt Eisenach mündeten schließlich in einen gemeinsamen Schulnetzplan, der ab dem Schuljahr 2014 / 15 für fünf Jahre gilt und die Ausbildung von nicht weniger als 66 Lehrberufen regelt. Alle drei Kreistage wie auch der Stadtrat Eisenachs tragen dieses Schulnetz mit; ebenso wie die jeweiligen Spitzenverbände der heimischen Wirtschaft (IHK, Kreishandwerkerschaften).
"Die Gründung der Berufsbildungsregion West ist die stärkste Wirtschaftsförderung, die wir als Schulträger gemeinsam betreiben können: nämlich Unternehmen und jungen Leuten eine Perspektive für die Ausbildung in ihrer Heimat zu geben", sagt Gothas Landrat Konrad Gießmann auch angesichts des Fachkräftemangels. Er wertet die bisherigen Ergebnisse der Berufsbildungsregion West als großen Erfolg und als aktiven Nachweis, dass effiziente Strukturen bereits heute in kommunaler Zusammenarbeit erreichbar sind, ohne zuvor kostenintensive Gebietsreformen durchzuführen.
Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf ergänzt: "Die Bedeutung einer guten Ausbildung von jungen Menschen ist im Zeitalter des demografischen Wandels und zunehmender Technisierung immer wichtiger. Damit können wir dem drohenden Fachkräftemangel entgegenwirken und vorbeugen. Deshalb unterstützt die Stadt Eisenach die gemeinsame Berufsbildungsregion West. Zusammen setzen wir uns für eine starke Ausbildung vor Ort ein, die der gesamten Wirtschaftsregion Westthüringen zugute kommt."
"Der Wunsch unserer Schulabgänger nach zukunftssicheren Berufen und der Wunsch unserer Wirtschaft nach gut ausgebildeten Fachkräften macht an den Kreisgrenzen nicht Halt. Deshalb ist unsere Berufsbildungsregion ein Zukunftsmodell", wertet Ilm-Kreis-Landrätin Petra Enders die Kooperation.
Und schließlich gehe aus auch darum, den bisherigen Investitionen in die Berufsschulstandorte eine Perspektive zu geben. Wartburgkreis-Landrat Reinhard Krebs: "Die Attraktivität der Berufsausbildung muss im Mittelpunkt unserer Bemühungen stehen. Die dazu notwendigen hohen Aufwendungen aus kommunalen Haushalten effizient in der Bildungsregion zu verteilen, macht Sinn. Wir selbst sind gefordert, der Berufsausbildung eine Zukunft zu bieten."
Im neuen Jahr wollen die Wolf, Enders, Krebs und Gießmann das Erfolgsmodell Berufsbildungsregion West Thüringens Bildungsminister Christoph Matschie vorstellen.
Stichwort Berufsbildungsregion West
Der Berufsbildungsregion West gehören die Landkreise Ilm-Kreis, Gotha und Wartburgkreis sowie die kreisfreie Stadt Eisenach an. Die vier Gebietskörperschaften unterhalten insgesamt sechs (GTH: 2, WAK: 1, IK: 2, EA: 1) Berufsschulen und sind in ihrer Gesamtheit mit rund 10,2 Milliarden Euro Industrieumsatz (2012; Berechnung des Landesamts für Statistik) der Motor des verarbeitenden Gewerbes in Thüringen. Im Bereich der Berufsbildungsregion West lebten zum Stichtag 30. Juni 2013 rund 412.000 Menschen.
V. i. S. d. P. Eckhard Bauerschmidt, Büro Landrätin
Ziel: Azubi in der Region halten / Akteure einig über Fortsetzung