Coworking im Thüringer Bogen - neue Arbeitsmethode mit Potenzial
„Coworking ist eine neue Form des gemeinschaftlichen Arbeitens. Das aus größeren Städten bekannte Arbeitsmodell findet immer mehr Anklang und ist zunehmend auch in ländlicheren Regionen ein Thema“, erklärte Landrätin Petra Enders zur Vorstellung der „Potenzialanalyse – Coworking im Thüringer Bogen“ am 18. Juli 2023. Sie warb dafür, Bedürfnisse von Fachkräften stärker in den Fokus zu rücken, um sie für die Region Thüringer Bogen zu interessieren und dort zu halten.
„Fachkräfte möchten genügend Zeit nicht nur für die Familie, sondern auch für Freunde, Hobbys und andere persönliche Interessen haben. Sie wünschen sich Arbeitsmodelle, die es ihnen ermöglichen, ihre Arbeit an ihre individuellen Bedürfnisse anzupassen.
Dazu gehören auch gute Arbeitsbedingungen. Sie möchten in einer Umgebung arbeiten, die ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden fördert“, betont Landrätin Petra Enders und wirbt für neue attraktive Arbeitsmodelle.
Als eine optimale Alternative zum Homeoffice oder als zusätzlicher Arbeitsplatz, den Unternehmen ihren Angestellten zur Verfügung stellen können, wenn die Kapazitäten im Firmengebäude knapp werden, bieten Coworking-Spaces neben dem eigentlich Arbeitsplatz Raum für Austausch oder eine kreative Umgebung für Start-ups. Berufspendler können so auch Kilometer einsparen, was sowohl dem Klima als auch den eigenen Zeitkapazitäten zugutekommt. Je nach Nutzungskonzept kann ein Coworking-Space auch noch weitere Zusatzfunktionen erfüllen, zum Beispiel durch Anbindung an andere Infrastrukturen oder zur Nutzung für Veranstaltungen.
Das Regionalmanagement der beiden Landkreise Ilm-Kreis und Gotha beschäftigt sich intensiv mit der Frage, ob Coworking auch für die Region des Thüringer Bogens eine Alternative zum „klassischen“ Büro sein könnte und hatte dazu eine Potenzialanalyse in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse des durchgeführten RegioScans und einer Nutzerbefragung sagen eindeutig „ja“ und wurden inzwischen mit den Projektpartnern, die am Prozess von Beginn an involviert waren, ausgewertet. Zudem sind im Zuge der Analyse neue Ansprechpartner, die eigene Ansätze und Ideen zum Thema Coworking verfolgen, hinzugestoßen. Nach einem gemeinsamen Workshop sprachen sich alle Teilnehmer einstimmig für die Fortführung des Projekts aus.
Die Analyse der CoWorkLand eG legt dar, an welchen Orten im Thüringer Bogen die verschiedenen Coworkingmodelle prädestiniert wären. Demnach könnte zum Beispiel am Verkehrsknotenpunkt Bahnhof Neudietendorf für Berufspendler durch einen sogenannter „Pendlerhafen“ Wege verkürzt werden, wohingegen sich Orte nahe des Thüringer Waldes für ein „Workation“ anbieten würden. Letzteres ist oft touristisch geprägter und bietet Einzelpersonen oder Teams einen „Tapetenwechsel“, um zum Beispiel abseits des gewohnten Alltags fokussierter Projekte voranzubringen.
Die Städte Arnstadt und Ilmenau und Gotha wiederum könnten für „klassische Coworkspaces“ in Betracht kommen, in denen es weitgehend um den professionellen Betrieb zur Bereitstellung von Arbeitsplätzen und Austauschmöglichkeiten geht. Eine „Neue Ortsmitte“, die neben Coworking-Plätzen ergänzende Nutzungsmöglichkeiten zum Beispiel für Vereine, als Begegnungsstätte, mit einem Raum für einen mobilen Arzt oder ein Kaffee bieten könnte, wäre ein Modell für ländlich geprägte Orte, die mit derartigen Angeboten „neuen Schwung“ ins gesellschaftliche Leben bringen können.
Überführung der Theorie in die Praxis
„Das Projekt sieht vor, dass mittels temporärer Testspaces das Thema Coworking nun im nächsten Schritt erlebbar gemacht wird. In diesem Sinne könnten zum Beispiel durch das Regionalbudget unterstützte Spaces in beiden Landkreisen angestoßen werden, die von potenziellen Nutzern „auf Herz und Nieren“ geprüft werden können und Erfahrungen sowohl für Nutzer- als auch Betreibersicht bringen“, betont Landrätin Petra Enders.
Wie genau solche Testspaces umgesetzt werden können, prüft das Regionalmanagement aktuell. Dazu werden „die Fäden“, die aufgrund der Analyse und der bisherigen Beschäftigung mit dem Thema bekannt und vielversprechend sind, geprüft. Erste Gespräche mit potenziellen Gemeinden zu Umsetzungsmöglichkeiten gab es inzwischen, weitere Ansprechpartner werden noch mit eingebunden. Zudem soll es noch einen Austausch mit Unternehmen geben, denn hier „sitzen“ schließlich auch Mitarbeiter, die potenziell einen Coworking-Platz temporär nutzen könnten. Zudem wäre ein Coworking-Angebot gegebenenfalls auch für Dienstreisende als Alternative zu einem Hotel relevant.
„Es erfolgt in diesem Zusammenhang auch eine Prüfung von Leerstandsgebäuden, die genutzt oder gegebenenfalls darüber hinaus auch als Immobilie für zukünftige Betreiber in Frage kommen könnten. Als Alternative zum Leerstand bieten sich sogenannte temporär angemietete Tiny Houses an. Aber auch hier muss geprüft werden, an welchen Standorten sie unter bestimmten Bedingungen zum Einsatz kommen könnten“, so Landrätin Petra Enders.
Mit den Erfahrungen durch die Testphase kann bestenfalls ein Betreiberkonzept fortgeschrieben und ein Betreiber gefunden werden. Somit könnte das Regionalbudget eine Art Anschub von öffentlicher Seite leisten, um Spaces nachhaltig etablieren zu können. Damit die Realisierung der Testspaces möglichst effektiv und zielführend initiiert werden können, sind viele Faktoren zu berücksichtigen, was eine umfangreiche Organisation, Vorprüfung und die enge Zusammenarbeit mit den betreffenden Partnern erfordert.
Nähere Informationen zum Projekt, der Studie und Coworking-Modellen sind im Internet unter www.thueringer-bogen.de/projekte zu finden. Tipps und Anregungen, die für die Konzeption der Testspaces berücksichtigt werden sollten, können gern bis zum 31. August 2023 an das Regionalmanagement gerichtet werden unter info@thueringer-bogen.de.
V. i. S. d. P. Anke Roeder-Eckert, Büro Landrätin