Jahresrückblick 2007 des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes
Derzeit ist die personelle Besetzung des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes wie folgt:
Tierärzte: 3
- Fachbereich Tierseuchen
- Fachbereich Tierschutz
- Fachbereich Lebensmittelüberwachung
Lebensmittelkontrolleure: 4
- 2 in Ilmenau
- 2 in Arnstadt
Tiergesundheitskontrolleur: 1
Verwaltungspersonal: 3
Im Fachbereich Tierseuchenbekämpfung wurden 211 Kontrollen durchgeführt. Dabei wurden bei 51 Kontrollen Verstöße festgestellt. Die Kontrollen wurden hauptsächlich im Nutztierbereich durchgeführt. Größere Betriebe werden jährlich kontrolliert, kleinere Betriebe nach Risikoabschätzung bzw. anlassbezogen.
Wie auch schon das Jahr 2006 war auch das Jahr 2007 durch den Ausbruch von Tierseuchen geprägt. Im Frühjahr wurde erstmals das Geflügelpest H5N1-Virus in der hochpathogenen Form bei Wildvögeln in Thüringen nachgewiesen. Anfang Juli kam es zu einem Ausbruch der Geflügelpest in einem Nutzgeflügelbestand im Nachbarkreis Saalfeld-Rudolstadt. Der Ilm-Kreis blieb von einem Ausbruch verschont, jedoch mussten durch das VLÜA umfangreiche Prophylaxemaßnahmen durchgeführt werden und eine ständige „Alarmbereitschaft“ musste gewährleistet sein. Es wurden 31 verendete Vögel an das Untersuchungslabor in Bad Langensalza eingesendet – alle mit negativem Ergebnis. Derzeit ist in zwei Restriktionsgebieten im Ilm-Kreis die Freilandhaltung von Geflügel untersagt. Dies betrifft das Naturschutzgebiet Ilmenauer-Teiche und die Uferregion der Talsperre Heyda. In diesen Gebieten kann nach Aussage der Ornithologen mit dem Auftreten von Zugvögeln gerechnet werden. In diesen zwei Gebieten befindet sich nur eine Tierhaltung mit Geflügel, das Schülerfreizeitzentrum in Ilmenau. Diesem Betrieb wurde durch uns per Einzelgenehmigung die Freilandhaltung des Geflügels (3 Pfaue) unter Sicherheitsvorkehrungen erlaubt.
Am 28.09.2007 wurde im Ilm-Kreis der Ausbruch der Blauzungekrankheit amtlich festgestellt. Betroffen waren drei Rinder einer Mutterkuhherde mit Standort auf einer Weide nahe Riechheim. Zwei weitere Betriebe waren im Oktober von der Blauzungenkrankheit betroffen. Dies waren in Kirchheim mit vier positiven getesteten Rindern und in Stadtilm mit einem positiv getesteten Rind. Bei allen Tieren heilte die Krankheit wieder aus.
Die Bekämpfung weiterer anzeigepflichtiger Tierseuchen schreitet voran. Bundesweit gesetzlich geregelt ist die Bekämpfung der Rinderseuche BHV1. Hier konnten im Jahr 2007 vier weitere Betriebe den Status BHV1 frei erlangen. Derzeit sind 89 von 103 untersuchungspflichtigen Betrieben BHV1-frei (86 %). Somit liegt der Ilm-Kreis über dem Thüringer Durchschnittswert von 77 %.
Zur Bekämpfung der Tollwut bei Füchsen und der Schweinepest bei Wildschweinen gibt es ein Monitoringprogramm. 2007 wurden 134 Füchse, 60 Blutproben vom Schwarzwild und 3 Schwarzwildtierkörper zur Untersuchung in das TLLV in Bad Langensalza eingesendet. Die Befunde waren alle negativ. Eine Stichprobe der eingesendeten Füchse wird auch auf den kleinen Fuchsbandwurm untersucht. Hier lag die Prävalenz im Jahr 2007 bei 28 %.
Im Fachbereich Tierschutz wurden insgesamt 296 Kontrollen durchgeführt. Davon waren 151 Anlasskontrollen, 54 Nachkontrollen und 92 Routinekontrollen. Bei 109 Kontrollen wurden Verstöße festgestellt. Der Großteil der Kontrollen (113) wurde in Hundehaltungen durchgeführt.
Fachbereich Lebensmittelüberwachung:
Die folgende Tabelle stellt die Anzahl der Kontrollen in den verschiedenen Betriebsarten dar:
Anzahl der Kontrollen in den verschiedenen Betriebsarten
Im Jahr 2007 wurden 587 Proben genommen. Diese schlüsselten sich wie folgt auf:
Planproben (Thüringer Programm): 542
BÜP-Proben (Bundes-Programm): 12
Monitoring-Proben: 2
Beschwerdeproben: 12
Verdachtsproben: 15
Sonstige: 4
Ein EU-weit etabliertes Schnellwarnsystem soll gesundheitsgefährdende Lebensmittel aus dem Verkehr ziehen. Wenn eine Schnellwarnmeldung im VLÜA eingeht, muss der zuständige Lebensmittelkontrolleur überprüfen, ob die Ware sich noch im Handel befindet und diese dann ggf. sicherstellen. Im Jahr 2007 wurden vom VLÜA 76 Warnmeldungen bearbeitet.
Im Jahr 2007 kam es im Ilm-Kreis zu 16 Gruppenerkrankungen. In zwei Fällen konnten Lebensmittel als Ursache nicht ausgeschlossen werden, ein Infektionserreger-Nachweis gelang jedoch nicht. Die übrigen Fälle sind vermutlich auf eine virale Genese zurückzuführen.
Übergreifende Kontrolltätigkeit:
Einen großen Teil der Kontrolltätigkeiten haben 2007 sogenannte Cross-Compliance Kontrollen (CC) ausgemacht. Landwirtschaftliche Betriebe erhalten eine Betriebsprämie. Diese Direktzahlungen sind an bestimmte Bedingungen geknüpft. U.a. müssen die rechtlichen Bestimmungen im Bereich der Tierkennzeichnung, des Tierschutzes und der Lebensmittelsicherheit eingehalten werden, anderenfalls muss der Betrieb mit Kürzungen der Betriebsprämie rechnen. Mit den Kontrollen wurden die VLÜAs vom Land Thüringen beauftragt. Die zu kontrollierenden Betriebe werden vom Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (TLLV) vorgegeben. Im Jahr 2007 wurden 66 CC-Kontrollen in den verschiedenen Fachbereichen durchgeführt. Im Vergleich zum Jahr 2006 hat sich die Anzahl der Kontrollen nahezu verdoppelt.
Verwaltungs- bzw. Ordnungsrechtliche Verfahren:
Tabelle
Schwerpunkte Ausblick
1. Tierseuchen
- anzeigepflichtige Tierseuchen von aktuell breitem Interesse in der Bevölkerung: Gflügelpest, Blauzungenkrankheit
- Zoonosen (= Erkrankungen, die vom Tier auf den Mensch übertragen erden können): Salmonella, Campylobacter (Schwein, Geflügel)
2. Tierschutz
- In Erwartung neuer Gesetzmäßigkeiten
- Hauptthemen u. a.: Schlachten ohne Betäubung, Zirkusregister, Nutztiere (Bundeseinheitliches Verfahren zur Prüfung von Haltungseinrichtungen für Nutztiere)
3. Lebenmittel / Verbraucherschutz
- Umsetzung neues Lebensmittelhygienerecht auf nationaler Ebene in 2007 zur Anpassung an das unmittelbar geltende neue Hygienerecht der EU
- u. a. Zulassungspflicht handwerklicher Betriebe
- Zulassungspflicht Schlachtstätten Gatterwildhaltungen
- Erfassung aller Primärproduzenten
F. d. R. Dr. Michael Gürtler
V. i. S. d. P. Sebastian Lenk, Pressesprecher