Landrätin Petra Enders und Konsul Alexey Novikov gedenken der Befreiung des Außenlagers im Jonastal
Auch wenn wir nicht gemeinsam gedenken können, so gedenken wir im Herzen
Gegen das Vergessen- 75 Jahre Befreiung des Außenlagers S III im Jonastal
In diesem Jahr können wir aufgrund der Corona-Pandemie leider nicht gemeinsam würdig gedenken. Es ist mir aber eine Herzensangelegenheit, dennoch zu mahnen, zu erinnern und zu gedenken- anderer Form, still, individuell. Es ist eine Verpflichtung gegenüber den Opfern der faschistischen Barbarei.
Jährlich im April kommen Überlebende des Konzentrationslagers zum Gedenken nach Buchenwald. Das Grauen dürfe auch nach ihrem Tod nicht vergessen oder gar verharmlost werden, so die Botschaft.
Hier im Jonastal im Ilm-Kreis, wurden mit beispielloser Brutalität unvorstellbare Verbrechen begangen. Verbrechen, die ganze Bände an Geschichtsbüchern füllen, die uns aber auch immer wieder von Augenzeugen berichtet wurden.
Die Schicksale der Menschen nehmen mich immer wieder gefangen. Bekannt sind nur ausgewählte Schicksale, wenige aus Millionen, nur einen Bruchteil des gesamten Ausmaßes vermittelnd und dennoch nahezu unerträglich.
Es sind bedrückende aber auch eindrucksvolle Erinnerungsfragmente. So wie das Leben und Schicksal von Pedro Mischtschuck, ein ukrainischer KZ-Häftling der in diesem Lager inhaftiert war und zuletzt vor fünf Jahren beeindruckend über das hier erlebte berichtete, an der gemeinsamen Gedenkveranstaltung teilnehmen.
Er wurde seiner Kindheit und Jugend beraubt, als er mit 13 Jahren von der Straße weg aus seiner ukrainischen Heimat nach Deutschland verschleppt wurde.
Seine Worte klingen mir heut noch im Ohr, als er sagte: „Wir hatten ständig Hunger und hinzu kam die grausame Kälte, die dieses Jonastal ausstrahlte und vor allem durfte man nicht krank werden, das bedeutete den sicheren Tod.“
Besonders eingeprägt hat sich mir, dass seine Augen, als er erzählte, nicht hasserfüllt waren, im Gegenteil, sie strahlten eine gewisse Güte und Versöhnung aus. Ich bin dankbar, dass ich diesen Menschen kennen lernen durfte und ich wünsche mir, dass wir ihn noch einmal hierher einladen können.
Am 5. April 1945 wurde die Tortur für die Überlebenden beendet und das Außenlager S III von amerikanischen Truppen befreit. Dieser Tag im April ist uns stets Anlass, der Menschen zu gedenken, die hier in den Jahren 1944 und 1945 zu härtester Arbeit gezwungen wurden, die kurz vor Kriegsende auf Todesmärsche geschickt, die geschunden, gequält und ermordet wurden. Wir gedenken gleichzeitig allen Menschen, die dieses Schicksal in anderen Konzentrationslagern erleiden mussten, die entwürdigt und millionenfach ermordet wurden.
Gerade für die nachfolgenden Generationen sind die geschilderten Geschehnisse schwer vorstellbar und nicht zu fassen. Umso wichtiger ist die dokumentarische Arbeit, Zeitzeugenbefragung und das Festhalten der Geschichte.
Mein großer Dank gilt besonders dem Verein „Geschichts- und Technologieregion Großraum Jonastal e.V.“, dem es zu verdanken ist, dass wir heute viel über die Geschehnisse und Vorgänge an diesem Ort wissen und der auch die ständige Pflege dieser Gedenkstätte übernommen hat. Die Arbeit dieses Vereins hat es verdient, auch von Land und Bund gebührend gewürdigt und umfänglich unterstützt zu werden.
Am heutigen Tag verneige ich mich vor den Opfern, die litten und starben. Das Leid der Häftlinge wie auch die Taten ihrer Peiniger sollen nie vergessen sein!
Das hier Geschehene macht uns Erschrocken. Erschrecken darf uns aber nicht lähmen. Erschrecken muss Ansporn sein, mehr zu tun für Vielfalt, Solidarität, Weltoffenheit und die jederzeitige Verteidigung der Menschenwürde.
Landrätin Petra Enders und Konsul Alexey Novikov legten am Freitag, 17.4.2020, an der Gedenkstätte Jonastal Kränze zum Gedenken der Befreiung des Außenlagers S III nieder.
V. i. S. d. P. Doreen Huth, Büro Landrätin