Pressestatement der Landrätin zu CDU Kritik an Umweltministerin
„Das Kurzzeitgedächtnis der CDU-Landtagsfraktion ist einfach nicht zu toppen. Regt sie sich doch jetzt über den Bau neuer Hochspannungstrassen und fehlende Kommunikation in Thüringen auf. Noch vor Jahren hat sie gemeinsam mit der damals CDU-geführten Landesregierung massiv den Bau der 380 KV-Leitung durch Thüringen unterstützt, sogar mit vorangetrieben, und zwar all das im Wissen von den weiteren Netzausbauplänen der Bundesregierung. Es war schon damals klar, dass diese Stromtrasse nur der Anfang ist“, sagt Petra Enders, die weiß wovon sie spricht.
Denn die heutige Landrätin hat jahrelang im Landtag, auf kommunaler Ebene, mit länderübergreifenden Bürgerinitiativen und vor Gericht gegen die Ausbaupläne der Bundesregierung gekämpft und mobilgemacht. „Man muss wahrlich kein Prophet sein, um zu erkennen, welche energiepolitischen Ausbaupläne die Bundesregierung noch hat. Das Lesen des Netzentwicklungsplanes und der Bundesbedarfsplanung reicht da völlig aus, um zu erkennen, welche Eingriffe das für Thüringen in der Zukunft noch bedeuten wird“, sagt sie. „Und dass die thüringische Umweltministerin die Ausbaupläne der Bundesregierung unterstützt, ist auch nichts Neues. Sie hat damals die die 380 KV-Leitung durch den Thüringer Wald als eine ihrer ersten Amtshandlungen durchgewunken. Offensichtlich läuft sie immer noch der alten Mähr hinterher, dass damit die erneuerbaren Energien gestärkt werden. Sie hat sich erpressen lassen, von der Bundesregierung und der europäischen Union, die mit angeblichen Strafgeldern gegen Thüringen gedroht hätten. Die Crux ist nur, dass solche Sanktionen in noch kaum einem Land der europäischen Union tatschlich zum Tragen gekommen sind. Meist wurde es nur angedroht“, sagt Petra Enders.
„Schon von Beginn an hätte das Land Thüringen klare Kante zeigen und Rückgrat beweisen müssen“, sagt die jetzige Landrätin. Sie ist sich sicher, dass ein hin und herschieben der Leitungen nach dem Motto: Hauptsache nicht durch mein Bundesland- nach dem „Sankt- Florian-Prinzip“-, nichts bringen wird. Das Entscheidende ist, die Bundesbedarfsplanung auf den Prüfstand zu stellen und das nicht den vier großen Energiekonzernen zu überlassen, die sich ihre Pläne und Machtstellung durch den Bundestag als Alibi bestätigen lassen. Viel wichtiger ist es, die aktuellen Entwicklungen der einzelnen Bundesländer im dezentralen Ausbau der erneuerbaren Energien zu berücksichtigen, bei denen in der Regel nicht die großen vier Energiekonzerne beteiligt sind. Die Bedarfsplanung am tatsächlich notwendigen Energiebedarf festzumachen und nicht am lukrativen Stromhandel, der den Energiekonzernen Wuchergewinne einbringt.
„Zudem brauchen wir dringend eine Nachjustierung der Energie- und Klimaschutzpolitik auf bundespolitischer und europäischer Ebene. Neben dem Netzumbau zu intelligenten und regelbaren Energienetzen, die nicht nur die Höchstspannungsnetze, sondern auch die Verteilernetze berücksichtigt, bedarf es dem Vorantreiben treibhausgasneutraler Innovationen, wie Power-to-Gas. Notwendig ist die Kopplung vorhandener Infrastruktur im Gas- und Strombereich. Gerade die vorhandene Gasinfrastruktur/-netze bieten dazu die Möglichkeit durch ausreichend freie Kapazitäten zur Einspeisung grüner Energien/Gase. Wenn es also notwendig wäre, grünen Strom/Windenergie über weite Strecken zu transportieren, wären die vorhandenen Gasnetze durch Energieumwandlung eine Alternative zur Erreichung der Klimaziele, die gleichzeitig den Neubau von Hochspannungsleitungen vermeiden würde. “, ist sich Petra Enders sicher.
Power-to-Gas könnte eine Schlüsseltechnologie darstellen, genutzt wird Überflussstrom aus erneuerbaren Quellen. In Power-to-Gas-Anlagen wird aus Wasser durch Elektrolyse Wasserstoff gewonnen – hierfür werden Stromüberschüsse aus Sonnen- und Windenergie verwendet. Der Wasserstoff kann entweder direkt genutzt werden oder in einem zweiten Schritt mithilfe von erneuerbar erzeugtem Kohlendioxid in Bio-Methan umgewandelt werden. Dieses wird aufgrund der synthetischen Herstellungsweise als Bio-SNG (Synthetic Natural Gas) bezeichnet. Die durch Power-to-Gas entstandenen grünen Gase können in bestehende Netz-Infrastrukturen eingespeist und dauerhaft gespeichert werden.