Regionalmanagement Thüringer Bogen zieht Bilanz
Gemeinsame Stärken schärfen, Entwicklungspotenziale eröffnen und Synergien zu entwickeln, um die Region als attraktiven Wirtschaftsstandort zu sichern, ist Ziel des Regionalmanagements Thüringer Bogen, in dem die Landkreise Gotha und Ilm-Kreis seit 2018 ihre Kräfte bündeln.
Die inhaltlichen Schwerpunkte sind im Regionalwirtschaftliche Entwicklungskonzept (RWEK) festgeschrieben, welches die vier Handlungsfelder „Infrastruktur, Gewerbe und Wirtschaft“, „Arbeitsmarkt und Bildung“, „Wissenschaft, Innovation und Gründungskultur“ und „Regional-/Regionenmarketing und Regionalimage“ definiert.
„Ein wichtiger Aspekt ist die Sicherung von Fachkräften. Unser Ziel ist es, junge Menschen für die Region zu begeistern, interessante Entwicklungsperspektiven zu schaffen und attraktive Lebensräume vorzuhalten. Nur so können wir die beiden Landkreise dauerhaft als starke Wirtschaftsregion etablieren. Das fängt schon bei der Berufsorientierung in den höheren Klassen von Regelschulen und Gymnasien an und setzt sich bei der Bindung von Schul- und Hochschulabgängern fort“, sagte Landrätin Petra Enders im Rahmen der Bilanzpressekonferenz des Thüringer Bogens, verwies darüber hinaus aber auch noch auf andere Projekte. So ist das Regionalmanagement Thüringer Bogen bestrebt, durch den Aufbau regionaler fachübergreifender Netzwerke in den Landkreisen einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit und zur besseren Kommunikation der Institutionen und Partner nach innen und außen zu leisten.
Neben der Vernetzung und Koordinierung von Akteuren und der Begleitung von Projekten (von der Beratung und Planung über die Antragstellung bis zur Umsetzung) zählen die Organisation und Führung von Arbeitsgruppen zu den wichtigsten Aufgaben des Regionalmanagements. Von großer Bedeutung ist außerdem die individuelle Förderberatung. Zudem wurden dem Regionalmanagement spezifische thematische Aufgabenfelder durch die Beschlüsse der Lenkungsgruppe zugewiesen, mit denen es sich beschäftigt:
- Regionalmarketing – Umsetzung des Kommunikationskonzeptes und Logos/Corporate Design des gemeinsamen Regionalmanagements, Ausbau der verschiedenen Maßnahmen und Kommunikationskanäle
- Koordinator für das Thema Gründen und Unternehmensnachfolge – Schaffung von Transparenz der Angebote sowie Bündelung und Unterstützung von Aktivitäten
- Fachkräftesicherung/Berufliche Orientierung – Schaffung von Transparenz der Angebote sowie Bündelung und Unterstützung, Entwicklung einer regional abgestimmten Strategie zur Fachkräftesicherung
HF (A) Infrastruktur, Gewerbe und Wirtschaft
Das Projekt dreht sich vorrangig um die Darstellung von Gewerbe- und Industrieflächen, um diese attraktiv bewerben zu können. Zudem sollen durch Machbarkeitsstudien die Weichen für die Entwicklung und Zukunftsfähigkeit von Infrastruktur, Gewerbe und Wirtschaft gestellt werden. Ein wichtiges Schlüsselprojekt ist die Errichtung von Pylonen an den Zufahrten zu den Gewerbegebieten im Thüringer Bogen. Allein im Landkreis Gotha werden 10, im Ilm-Kreis 5 bis Ende April 2022 errichtet. (Kosten ca.110.000 EUR)
„Die Gewerbegebietsbeschilderungen sollen der effizienten und zielführenden Orientierung und Navigation für die relevanten Zielgruppen, zum Beispiel Lieferanten, dienen. Als Instrument des Standortmarketings sind die einheitlich gestalteten Pylonen zudem ein wichtiges Medium zur Bekanntmachung der Wort-Bild-Marke des Thüringer Bogens und ein sichtbares Zeichen für die gelebte Kooperation zwischen beiden Landkreisen und den jeweils beteiligten Städten und Gemeinden“, fasst Gothas Landrat Onno Eckert die Zielstellung der gemeinsamen Ausschilderung zusammen.
Zudem sollen die alten Pylonen in das neue Design des Thüringer Bogens überführt werden (Kosten: 40.000 EUR für die Neugestaltung der 14 bereits bestehenden Pylonen im Ilm-Kreis).
Für größere Gewerbegebiete (Gotha, Waltershausen, Günthersleben-Wechmar, Ohrdruf, Großbreitenbach) wurde ein Beschilderungskonzept erstellt (20.000 EUR), wodurch die Wegweisung innerhalb der Gebiete sowie die Sichtbarkeit erhöht werden soll.
Arbeitsmarkt und Fachkräfte
Im Handlungsfeld Arbeitsmarkt und Fachkräfte werden Projekte und Vorhaben zur Beruflichen Orientierung unterstützt. Zudem spielt hier das Thema Fachkräftegewinnung und -bindung eine wichtige Rolle. Ein wichtiges Schlüsselprojekt ist die Unterstützung des BIONIK-Zentrums, in dem regelmäßig Workshops stattfinden. Bis zu 20 Projekttage werden jährlich durch das Regionalbudget gefördert (15.000 EUR pro Jahr), damit Schüler in 2er-Teams an 13 Experimenten aus der Bionik forschen können, häufig mit dem Kennenlernen von Unternehmen verknüpft.
Beim Solardorf Kettmannshausen wurde in 2 Projekten (ca. 30.000 EUR je Projekt) jeweils die Erstellung von Modellbausätzen gefördert, welche in den Schulen zum Einsatz kommen (Themen 3D-Druck, Hysolar). Ziel des Vorhabens ist es, dass Schüler sich Zukunftsthemen durch den praktischen Aufbau von Modellen annähern und ihr Interesse für Wissenschaft und Technik entwickeln.
Weiterhin wurden 12 Berufsorientierungsfilme von der Firma noxus tv abgedreht, um regional bedeutende Berufe im Thüringer Bogen, die Anlaufstellen Kompetenzzentrum Arnstadt und Föbi Gotha sowie die Möglichkeit, ein eigenes Unternehmen zu gründen, vorzustellen. Die Clips sind 90 Sekunden lang und ermöglichen Blicke hinter die Kulissen, die Schülern die Berufswahl erleichtern sollen.
Zudem wurde auf der Homepage des Thüringer Bogens eine Praktikumsbörse etabliert, auf der sich Schüler über freie Praktikumsplätze informieren können, denn Schülerpraktika gehören zu den wichtigsten Instrumenten der Berufsorientierung.
Forschung und Entwicklung/Hochschulen
Der Austausch von Wirtschaft und Wissenschaft sowie der generelle Transfergedanke im Thüringer Bogen soll gefördert werden. Schlüsselprojekt ist hierbei die Präzisierung Machbarkeitsstudie Innovations-, Service- und Transferzentrum Erfurter Kreuz. Dort ist die Errichtung eines Transferzentrums geplant, um das größte Industriegebiet Thüringens noch attraktiver zu gestalten und den Austausch zwischen Unternehmen und Forschung zu intensivieren. Dazu ist eine Machbarkeitsstudie (70.000 EUR) an das Beratungsunternehmen Georg Consulting aus Hamburg vergeben worden, welche die Konzeption des Zentrums bedarfsbezogen erörtern soll. Hierzu werden Akteure der Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung in Befragungen und Workshops einbezogen. Die Studie soll Ende April 2022 finalisiert werden, um Unterstützer für das Zentrum zu finden. Weiterhin werden Veranstaltungen der Technischen Universität Ilmenau (Lange Nacht der Technik alle 3 Jahre, 25.000 EUR, Wirtschaft trifft Wissenschaft – jährlich zwischen 2.500 und 5.000 EUR) unterstützt, um junge Menschen für ein Studium der Technik in Ilmenau zu begeistern.
Weiche Standortfaktoren
Auch regionale Veranstaltungen und Messen, wie Industrieerleben (10.000 EUR), der Drei(n)schlag (leider ausgefallen wegen Corona), die inovailmenau 2021 (25.000 EUR), die Deutschlandtour 2021 (25.000 EUR) oder Berufsinfomessen/Ausbildungsbörsen wurden und werden unterstützt. Zudem stehen für Netzwerkveranstaltungen in der Region bis zu 5.000 EUR an Förderung je Veranstaltung bereit.
Aus der ersten Förderperiode bewährte Projekte sollen fortgeführt werden. Stand März 2022 sind folgende Projekte für das neue Regionalbudget geplant:
(A) Infrastruktur, Gewerbe und Wirtschaft
- Umsetzung der Gewerbegebietsbeschilderung
- 3D-Modelle der Gewerbegebiete, virtuelle Karte
- Analyse der Verkehrserschließung Gewerbeverkehr im Thüringer Bogen
(B) Arbeitsmarkt und Bildung
- Fortsetzung der Förderung von Projekten für berufliche Orientierung (BIONIK, Solardorf)
- Fokus auf Berufsinformation im Thüringer Bogen unter Ausweitung der Schnuppertage in beiden Landkreisen
- Regionale Fachkräftestrategie
(C) Wissen, Innovation und Gründungskultur
- Analyse Coworking Spaces im Thüringer Bogen
- (digitale) Gründerstories
- Fortführung der Formate Wirtschaft trifft Wissenschaft, Transfertage sowie Lange Nacht der Technik
(D) Regional-/Regionenmarketing und Regionalimage
- Umsetzung des Kommunikationskonzeptes mit entsprechenden Marketingmaßnahmen
- EXPO REAL 2022 und IGW 2023
- Veranstaltungsförderung im Thüringer Bogen, Regionalkonferenzen
Neben den bereits bekannten Projektideen plant das Regionalmanagement im zweiten Quartal 2022 die Durchführung einer Projektwerkstatt. Hierbei soll sich mit den bisher an der Projektfortschreibung beteiligten Netzwerkpartnern über die Bedarfe ausgetauscht und an konkreten Projektideen für die zweite Förderperiode des Regionalbudgets gearbeitet werden.
V. i. S. d. P. Anke Roeder-Eckert, Büro Landrätin