Statement der Landrätin Petra Enders zu 75 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges
Der 8. Mai 1945 ist ein Datum von entscheidender historischer Bedeutung in Europa, der Tag, an dem der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende ging. Seinem Schicksal gemäß hat jedes Volk dabei seine eigenen Gefühle.
Es ist für mich vor allem ein Tag der Erinnerung an das, was Menschen erleiden mussten. Er ist auch ein Tag des Nachdenkens über den Gang unserer Geschichte.
Der 8. Mai 1945 hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Heute gedenken wir in Trauer aller Toten des Krieges und der Gewaltherrschaft. Wir gedenken insbesondere der sechs Millionen Jüdinnen und Juden, die in deutschen Konzentrationslagern ermordet wurden. Wir gedenken der Menschen aller Völker, die im Krieg gelitten haben.
Die Ausführung der Verbrechen des Zweiten Weltkrieges lag in der Hand weniger. Vor den Augen der Öffentlichkeit wurde es abgeschirmt, aber jede*r Deutsche konnte miterleben, was jüdische Mitbürger*innen erleiden mussten, von kalter Gleichgültigkeit über versteckte Intoleranz bis hin zu offenem Hass. Ich frage mich immer wieder, wer arglos bleiben konnte nach den Bränden der Synagogen, den Plünderungen, der Stigmatisierung mit dem Judenstern, dem Rechtsentzug, der unaufhörlichen Schändung der menschlichen Würde? Wer hinhörte und hinsah, wer sich informierte, dem konnte nicht entgehen, dass Deportationszüge rollten.
Die Vergangenheit lässt sich nicht nachträglich ändern oder ungeschehen machen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, ist blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.
Wir Nachgeborenen haben eine große Verantwortung, denn das Vermächtnis der Opfer, derer wir an diesem Tag gedenken, verpflichtet uns, zu jeder Zeit an jedem Ort rechtsextremen, neofaschistischen und rechtspopulistischen Umtrieben entgegenzutreten.
Die Hitlerfaschist*innen haben stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Hass zu schüren. Meine Bitte an die Menschen lautet: Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.
Ehrenmal für die gefallenen Sowjetsoldaten auf dem Arnstädter Friedhof.
V. i. S. d. P. Doreen Huth, Büro Landrätin