Statistische Daten der Einschulungsuntersuchungen 2014
Übergewicht/ Adipositas
Bestimmt nach dem BMI = Körpergewicht/Körperlänge²
Ein sechsjähriger sollte normalfall bei einer Körpergröße von 1,08 m – 1,28 m 16 – 26 kg schwer sein. Die Feststellung von Übergewicht/ Adipositas wird anhand von geschlechtsspezifischen Altersperzentilen (ab 90. Perz. Übergewicht, ab der 97. Perz. Adipositas) nach Kromeyer – Hauschild durchgeführt. In Deutschland beträgt die Übergewichtsrate im Kindes- u. Jugendalter 15%, die Adipositasprävalenz 6,3% (KiGGS-Studie 2007). Nach wie vor stellt Adipositas im Kindesalter weltweit ein zunehmendes Problem und somit einen erheblichen Risikofaktor für die Gesundheit, für das Entstehen chronischer Erkrankungen dar. Ursachen hierfür sind häufig Bewegungsmangel durch die Veränderung der Freizeitgestaltung (hoher Fernseh- u. Computerkonsum, beispielsweise hat sich die Bildschirmzeit in den letzten 20 Jahren verdoppelt) sowie eine veränderte Nahrungszusammensetzung. Viele der auffälligen Kinder nehmen sehr kalorienreiches Essen zu sich.
Untersuchungen von 2008 belegen die Bedeutung des Taillenumfanges für die Beurteilung der zentralen Fettmasse (gemessen Höhe der größten Einziehung zwischen Rippenbogen und Darmbeinkamm) und ist damit zur Erkennung von Kindern mit erhöhtem Erkrankungsrisiko unabdingbar (Veröffentlichungen belegen, besondere Bedeutung der abdominellen Fettmasse in der Entstehung des Diabetes mellitus und anderer chron. Erkrankungen – Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
Perzentilkurven der Jungen steigen im Altersgang kontinuierlich, bei den Mädchen ab dem Pubertätsalter nur noch geringfügig. Der Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder nach TU ist höher als nach dem BMI gerechnet.
Von den in der Einschulungsuntersuchung erfassten Kindern 2014 waren 4,4% adipös, 7% hatten Übergewicht und bei 9% wurde Untergewicht festgestellt.
Wie kann man auf eine gesunde Lebensweise achten?
Bewegung ist sozusagen der „Schrittmacher“ kindlicher Entwicklung. Kinder, die sich bewegen, verbessern dadurch ihre motorischen Fähigkeiten, besonders die Koordination, gewinnen dadurch an körperlicher Sicherheit und schulen Wahrnehmung, den Tastsinn, Bewegungs- und Gleichgewichts-sinn bis hin zum Sehen und Hören.
Sehschwäche – durch apparativen Sehtest geprüft
Sehauffälligkeiten bei 15,7% der untersuchten Kinder fast 67% dieser Kinder befanden sich in augenärztlicher Betreuung; ca. 30% der sehauffälligen Kinder erhielten durch den Schularzt eine Überweisung. Dies unterstreicht die Wichtigkeit der schulärztlichen Untersuchung! Die Befunde wurden den Eltern mitgeteilt und um eine Kontrolle beim Augenarzt gebeten.
Hörstörung – durch apparativen Hörtest geprüft
Eine weitere wichtige Untersuchung ist der Hörtest. Gerade für die Sprachentwicklung ist ein ausreichendes Hörvermögen notwendig. Bei Auffälligkeiten erfolgt wiederum eine Überweisung für die amb. ärztliche Praxis. 2014 zeigten fast 94% der ES – Kinder ein intaktes Hörvermögen, 36% der hörauffälligen Kinder waren bereits in Behandlung, 56% erhielten eine Überweisung durch den Schularzt, dabei ist zu beachten, dass Infekte der Kinder mit einer Beeinträchtigung des Hörvermögens einhergehen können – Kontrollbedürftigkeit.
Skoliose
5,7% aller Schulanfänger (SA) zeigten eine Skoliose (Verformung der Wirbelsäule). Ca. 46% dieser Kinder befanden sich bereits in orthopäd. Behandlung, 50% erhielten eine Überweisung zum Facharzt, der restliche Teil weist geringere Auffälligkeiten auf, die beim Kinderarzt kontrolliert werden sollten (Übungsheft).
Fußschäden
2014 ca. 17,8% aller SA zeigten eine gestörte Fußhaltung. 28,6% von Ihnen befinden sich bereits in Behandlung, der größte Teil zeigt einen mäßigen KSS – Fuß; Kontrolle beim Haus- und Kinderarzt, Fußgymnastik und Tragen fußgerechter Schuhe empfohlen.
Grobmotorik
Grobmotorik – Gerade im Kindesalter nimmt die motorische Aktivität eine wichtige Stellung ein. Körperliche Aktivität und motorische Leistungsfähigkeit beeinflussen die Gesundheit ein Leben lang. Grobmotorische Auffälligkeiten schwankten in den letzten Jahren zwischen 6 -8%, 2012 Zunahme auf 10,8%, 2013 8,2% und 2014 8,5%. Weiterführung der sportlichen Aktivitäten in KITA, in der Freizeit (Kindersportgruppe) und Beachtung einer gesunden Ernährung. Es handelt sich vorwiegend um Körperkoordinationsstörungen, die auf Bewegungsmangel hinweisen->Sportförderstunden in der Schule.
Feinmotorik
2012 waren es 20,4% feinmotorisch auffällige Einschulungskinder, 2013 Abnahme auf 18% und 2014 weitere Abnahme auf 13,4%. Erste Hinweise, dass die Förderung zum Tragen kommt (Ergotherapie, Frühförderung, Übungshinweise für Eltern zu Hause) Achten auf gute Stifthaltung!
Sprache
Sprache- gute Sprachfähigkeiten sind Voraussetzung für einen Lernerfolg in der Schule. Die wichtigsten Phasen der normalen Sprachentwicklung sind bis zum Ende des 5. Lebensjahr abgeschlossen. Kinder mit frühen Sprachstörungen (eingeschränkter Wortschatz, verminderte Sprachfähigkeit) zeigen häufig in der Schule Schwächen beim Lesen und Schreiben. Bei Sprachauffälligkeiten zeigen sich keine wesentlichen Veränderungen, Während sich 2013 ein leichter Rückgang auf 27,8% zeigte, wiesen 2014 31% der untersuchten Kinder eine auffällige Sprache auf. 53,8% waren bereits in logopädischer Behandlung, 12% erhielten eine ÜW zum Logopäden. Bei den Sprachauffälligkeiten überwiegen nicht so sehr die schweren Sprachstörungen sondern Sigmatismus (häufig durch Zahnwechsel bedingt), undeutliche Umgangssprache, Nichtvermögen im Satz zu erzählen, Dysgrammatismus. Nach wie vor erhöhter Förderbedarf im Bereich Sprache!
Verhalten
2014 wurden 23,7% verhaltensauffällige Kinder erfasst, fast 60% befinden sich bereits in Behandlung, 8% erhielten eine Überweisung. Verhaltensauffälligkeiten umfasst ein breites Spektrum: verminderte Konzentration und Ausdauer, Ängstlichkeit, Zurückhaltung, große Unruhe, ADHS, unangepasstes Sozialverhalten und Aggressivität. Abklärung der Ursachen über Kinderarzt; Beratung bzw. Vermittlung an weiterführende Hilfen.
Linkshändigkeit
10,1% (2010)
9,6% (2011)
10,4% (2012)
8,3% (2013)
8,6% (2014)
Zum Hintergrund der Untersuchung
Die Einschulungsuntersuchung (ESU) ist die einzige gesetzlich festgelegte Untersuchung (Pflichtuntersuchungen nach § 55 Thür. Schulgesetz in Verbindung mit der Thür. Verordnung über die Schulgesundheitspflege § 4 und Thüringer Schulordnung § 120), bei der alle Kinder einer Jahrgangsstufe (02. August 2007 bis 01. August 2008) vollständig untersucht werden. Somit ist eine Aussage über den Gesundheitszustand und ein gut beurteilbares Gesamtbild dieser Kinder möglich. Die Untersuchung erfolgt nach einem festgelegten Untersuchungsprogramm (Seh-und Hörtest zur Beurteilung der Funktionsfähigkeit der Sinnesorgane, Größe, Gewicht, Überprüfung der Sprache, Farben-, Formen- und Mengenkenntnis, Simultanerfassung, Menschzeichentest zur Überprüfung der Händigkeit und Stifthaltung, Aufgaben zur Überprüfung der motorischen Koordination sowie visuellen Wahrnehmung). Somit ist die Vergleichbarkeit der Befunde im gesamten Freistaat möglich.
Die Zahl der Einschulungsuntersuchungen im Ilm-Kreis schwankt in den letzten 9 Jahren zwischen 751 (2009) und 941 (2014). Im Jahr 2014 waren es fast 100 Einschüler mehr als im Vorjahr.
Die Vorsorgehefte (kinderärztliche Vorsorgeuntersuchungen U1 – U9 sind auf wichtige Entwicklungs-etappen des Kindes abgestimmt) werden zur ESU vorgelegt und auf Vollständigkeit und Notiz von Besonderheiten durchgesehen. Die ersten Vorsorgeuntersuchungen werden noch zu einer hohen Prozentzahl wahrgenommen, mit zunehmendem Alter sinkt die Beteiligung an den einzelnen Untersuchungen (aber deutlicher Anstieg U8 89,0% 2012 auf 96,3% 2014 und ebenfalls bei U9 92,9% 2012 auf 93,6% 2014) à Ergebnisse der Umsetzung des Kinderschutzgesetzes
Vorlage des Impfausweises des Schulanfängers (nach Infektionsschutzgesetz § 34 und Schulgesundheitspflegeverordnung §4 Abs.3) und Erhebung des Impfstatus im Gesundheitsamt. 94,7% aller Schulanfänger im Ilm-Kreis legten den Impfausweis vor. Insgesamt besteht eine gute Durchimpfungsrate der Einschulungskinder.
Ausblick und Hinweise
Der Lebensalltag und die Freizeitgewohnheiten der Kinder haben sich in den letzten Jahren dramatisch gewandelt. Nach wie vor kommt in vielen Familien die Bewegung der Kinder zu kurz, die körperliche Aktivität ist eingeschränkt und der Konsum von Fernsehen und Computerspielen nimmt zu. Zudem verändert sich auch die Nahrungszusammensetzung (Anbieten von energiereichen Nahrungsmitteln). Die Einschulungsuntersuchungen (ESU) und auch die Vorschuluntersuchungen (bereits 2 Jahre vor der Einschulung) sind wichtig um bei den untersuchten Kindern möglichst frühzeitig bei individuellen Auffälligkeiten eine notwendigen Förderbedarf zu beschreiben. Die erhobenen Daten können aber auch eine Aussage über die gesundheitliche Situation der schulpflichtigen Kinder geben.
Im Vergleich zum Vorjahr gibt es einen gleichbleibenden Anteil adipöser Kinder, während übergewichtige Kinder zunahmen, eine deutliche Verbesserung gab es im Bereich der Feinmotorik, aber nach wie vor besteht ein hoher Anteil sprach- und verhaltensauffälliger Kinder auch bedingt durch Reizüberflutungen. Es bedarf weiterer intensiver Förderung im Elternhaus, im Kindergarten, über Logopädie, Ergotherapie und Frühförderung um diese Defizite auszugleichen.
Neben der körperlichen Aktivität (viel Bewegung an der frischen Luft) sollten auch Ruheinseln und Rituale im Alltag geschaffen werden, häufig sind Kinder durch ein zu großes Informations- und Spielangebot überfordert. Tagesabläufe sollten so gestaltet werden, dass es verlässliche Zeiten zum Essen, Bewegen und Schlafen gibt. Routine im Alltag gibt Kindern Orientierung. Beispiele hierfür sind möglichst mindestens eine gemeinsame Mahlzeit, regelmäßig und konsequent eingehaltene Schlafzeiten, Einschlafrituale (Vorlesen von Gute-Nacht-Geschichten oder gemeinsames Schlaflied singen). Wer kennt es nicht, dass das Kind schlecht einschlafen kann? Viele Aktivitäten an der frischen Luft und eine ausgewogene Ernährung fördern einen gesunden Schlaf. Die regelmäßige Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen, besonders U8/U9 sind notwendig, um frühzeitig Defizite zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.
V. i. S. d. P. Manuel Löffelholz, Büro Landrätin