Witterungsschutz für Tiere
Arnstadt - Noch immer wird ein Witterungsschutz für Tiere nur in der kalten, nassen Jahreszeit für erforderlich gehalten. "Tatsächlich ist es aber so", erläutern die Amtstierärzte vom Veterinär- und Lebensmittelüberwachungamt des Ilm-Kreises (VLÜA), dass sich Tiere auch vor ungewünschter Sonneneinstrahlung schützen können sollten.
Leider mussten die zuständigen Mitarbeiter des VLÜA, auch nach gemeldeten Hinweisen aus der Bevölkerung, in den vergangenen Wochen wiederholt feststellen, dass an heißen Tagen Tiere ausschließlich der prallen Sonne ausgesetzt waren.
Das Argument, dass die gehaltenen Tiere den Sonnenschutz sowieso nicht aufsuchen, stimme nicht, so die Amtstierärzte. "Jeder der das glaubt, sollte einmal beobachten, wo sich die Tiere auf einer Weide mit Schattenwurf zum Ruhen bevorzugt aufhalten". Bieten die Weiden keinen natürlichen Witterungsschutz durch ausreichenden Bewuchs, ist ein Unterstand erforderlich.
Ein allgemein gültiges Temperaturlimit könne man nicht benennen, da die Hitzetoleranz von der individuellen und rassebedingten Anpassungsfähigkeit, aber auch von Windbewegung und Luftfeuchtigkeit abhängig sei. Wenn das Thermometer über 25 °C im Schatten ansteigt, könne z. B. bei Milchkühen bei dauerhafter Sonneneinstrahlung eine Überhitzung des Körpers eintreten. Die Tiere reagieren darauf mit reduzierter Futteraufnahme und einem Abfall der Milchleistung. Im Extremfall kann es zum Kreislaufkollaps kommen.
Schafe mit dicker Wolle sind ebenfalls besonders stark vom Hitzestau bedroht. "Es darf nicht sein, dass Schafe bei diesen Temperaturen noch nicht geschoren sind und die Tiere zusätzlich noch ohne Schatten in der prallen Sonne stehen", stellen die Mitarbeiter des VLÜA klar. Aber auch bei frisch geschorenen Schafen könne länger andauernde Sonneneinstrahlung zu Schäden führen, zu Sonnenbrand nämlich, wie er auch bei Pferden und Rindern in unpigmentierten Hautbereichen vorkommt. Laubbäume sind die besten Schattenspender; auch Sonnendächer werden gerne angenommen. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass genügend beschattete Fläche zur Verfügung steht, damit auch die rangniederen Tiere einen Schattenplatz finden.
Schließlich haben alle Tiere im Sommer einen besonders hohen Flüssigkeitsbedarf, der schnell auf das Doppelte des "normalen Bedarfes" ansteigen kann.
Aufgrund der sinkenden Pegelstände natürlicher Gewässer, die häufig als Lieferanten für die Versorgung der Weidetiere mit Wasser genutzt werden, ist daher bei der derzeitigen Witterung zusätzlich dringend darauf zu achten, dass die Tränkwasserversorgung der Tiere sichergestellt ist.
Die Amtstierärzte weisen darauf hin, dass uneinsichtigen Tierhaltern z. B. die Schaffung eines Witterungsschutzes angeordnet werden kann. Dabei kann als sofortige Maßnahme auch die teilweise Stallhaltung akzeptiert werden.
V. i. S. d. P. Manuel Löffelholz, Pressesprecher