Zobel: "Den ländlichen Raum weiter stärken"
Leere Häuser, kaputte Straßen, verwaiste Dörfer. Ein Bild, das viele Demographen heute schon skizzieren und damit in den Mittelpunkt politischen Handelns stellen.
Doch wie wirkt man den Folgeerscheinungen des Einwohnerschwundes entgegen? Wie verkraftet der ländliche Raum den Paradigmenwechsel?
Fragen die sich auch eine Regionale Aktionsgruppe (RAG) stellt, den Anforderungen des Strukturwandels entgegensieht und den ländlichen Raum damit nicht abschreibt.
Rainer Zobel, stellvertretender Landrat des Ilm-Kreises und Vorsitzender der Regionalen Aktionsgruppe im Gespräch.
Herr Zobel, LEADER ("Liaison entre actions de developpement de l’économie rurale" deutsch: Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft). Der Name des Projektes klingt hochtrabend. Was steckt eigentlich hinter dem Begriff?
Zobel: Das LEADER-Programm ist ein querschnittsorientierter Ansatz zur Förderung ländlicher Räume durch die Europäische Union. Dabei wird verstärkt auf die eigenen Stärken und Kräfte der Region gesetzt.
Die Regionale Aktionsgruppe ist letztlich dafür zuständig zu prüfen welche Projekte umgesetzt werden.
Dies geschieht jedoch nicht ohne die privaten und öffentlichen Akteure. Die Zusammenarbeit ist ein wichtiger Bestandteil und die ideelle Basis der Förderung.
Fast täglich hört man von Förderprojekten der Europäischen Union (EU). Was ist der Vorteil von LEADER und warum wurde es ins Leben gerufen?
Zobel: Die Entwicklung des ländlichen Raumes besitzt in unserer Region einen hohen Stellenwert als bewusste Entwicklung in kommunalen Strukturen oder mitunter auch unbewusst als Anforderung an die technische und soziale Infrastruktur in unserem Landkreis. Auch wenn die Wirtschaftsstruktur in unserem Gebiet sicher schon lange nicht mehr von Land- und Forstwirtschaft dominiert wird, so ist ihr Erscheinungsbild trotzdem immer noch stark geprägt. Schon immer wurde die Landschaft von Menschen kultiviert und bewirtschaftet und auch heute und zukünftig werden unsere Dörfer, unsere Fluren und Wälder von uns selbst genutzt und gepflegt.
Die EU, der Bund und der Freistaat tragen dem Rechnung und haben uns mit dem Programm LEADER ein Förderinstrumentarium zur Entwicklung des ländlichen Raumes an die Hand gegeben. Mit LEADER wurde in den letzten Jahren die zur Sicherung der Einkommensgrundlagen im ländlichen Raum angeregt auch indem die Arbeits- und Lebensbedingungen in den Dörfer erhalten wurden.
Welche Projekte wurden speziell im Ilm-Kreis umgesetzt?
Zobel: Die Handlungsfelder von LEADER teilen sich in vier Bereiche: Bildung und Begegnung, Landwirtschaft, Natur und Umwelt, Tourismus.
Im Ilm-Kreis gab es Projekte in all diesen Bereichen. Das "Otto-Knöpfler-Haus" und das "Bratwurstmuseum" in Holzhausen, der "Bahnhof Rennsteig" in Schmiedefeld, das "Lange-Berg-Denkmal" in Herschdorf oder der Bau des neuen "Schneekopfturms" in Gehlberg sind nur einige Beispiele für die Nachhaltigkeit und den Erfolg des Förderprojektes.
Die Vergangenheit zeigt den Erfolg von LEADER. Wie sieht es mit der Zukunft aus?
Zobel: Die Zukunft des ländlichen Raumes ist längst nicht so grau wie dargestellt. Dazu trug LEADER bei und auch künftig sichern Mittel der Europäischen Union, von Bund und Land, die Infrastruktur im ländlichen Raum.
Neu ist, dass die Regionale LEADER-AktionsGruppe Gotha - Ilm-Kreis jetzt durch Erfurt erweitert wird. Neu ist auch der Rahmen, den jetzt die "Förderinitiative Ländliche Entwicklung in Thüringen" bildet. Dabei wird aber ganz sicher auf bewährte Strukturen zurückgegriffen.
Bereits am Donnerstag, den 20. März 2008, ab 16:30 Uhr, lädt die Regionale LEADER-AktionsGruppe Gotha - Ilm-Kreis - Erfurt e.V. (RAG e. V.) nach Geschwenda in die Gaststätte "Dimmelsee" zu einer öffentlichen Regionalkonferenz ein, um sich über Entwicklungsstrategie und Umsetzungsschritte auszutauschen und somit ein Stück zur Stabilität des ländlichen Raumes beizutragen.
V. i. S. d. P. Sebastian Lenk, Pressesprecher